Die Geschichte der Aromatherapie

Die Verwendung von ätherischen Ölen aus bestimmten Pflanzen ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern sie ist so alt, wie die Menschheit selbst.

Bereits vor ca. 7000 Jahren wurden Heilpflanzen in Asien und dem Orient kultiviert.

Ägyptische Priester verwendeten ätherische Öle für die Herstellung von Heilsalben und zur Einbalsamierung der Toten.

Im alten Testament finden sich zahlreiche Rezepte für Salben, aromatische Öle und Räucherungen (2. Buch Moses).

Die griechischen und römischen Geschichtenschreiber berichten über den Gebrauch aromatischer Stoffe. Man verwendete Parfüms, duftende Körperöle und wohlriechende Kosmetika in einem sehr großen, verschwenderischen Umfang. Außerdem wurden ätherische Öle sehr gezielt zu Heilzwecken eingesetzt.

In verschiedenen Werken (zB von Dioscurides) wurden die Duftstoffe beschrieben und ihnen spezifische Heilwirkungen zugeordnet.

Im altindischen Ayurveda wurden medizinische Anwendungen und Massagen mit Sandelholzöl und anderen ätherischen Ölen durchgeführt.

Einen enormen Aufschwung erlebte die Anwendung von ätherischen Ölen durch die Veröffentlichungen des französischen Chemikers René Maurice Gattefossé.
Er erlitt 1910 in seinem Labor durch eine Explosion schwere Verbrennungen an Händen und Kopfhaut. Die Brandwunden hätten normalerweise schwere Entstellungen zurücklassen müssen. Er versorgte jedoch seine Wunden mit Lavendelöl und war vollkommen überrascht, dass seine Verletzungen sehr schnell und völlig ohne Narbenbildung abheilten.

Diese Erkenntnis animierte ihn, weitere Forschungen zur Wirkung von ätherischen Ölen anzustellen.
Seine 1918 entwickelte antiseptische Seife mit ätherischen Ölen wurde zur Desinfektion von Verbandsmaterialien verwendet. Seine 1936 veröffentlichten Werke „Aromatherapie“ und „Essentielle Antiseptika“ werden noch heute als Meilenstein in der Anwendung der ätherischen Öle gesehen.

Der Militärchirurg Jean Valnet setzte, inspiriert durch Gattefossé, ätherische Öle intensiv bei der Behandlungen von Kriegsverletzungen ein. Auch in seiner Arztpraxis nutzte er ätherische Öle und Kräuter bei der Behandelung seiner Patienten.

Von Frankreich aus begann der Siegeszug der Aromatherapie. Die Wirkung des Einsatzes diverser Heilpflanzen sind inzwischen durch Studien in ganz Europa belegt.

Die Aromatherapie ist heutzutage anerkannter Teil der Komplementärmedizin und gehört zur Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Ziel der Aromatherapie ist es, auf sanfte, natürliche Weise Gesundheit, Vitalität, Wohlbefinden und Lebenskraft zu erhalten und zu stärken.


Was verstehen wir unter „ätherische Öle“?

Ätherische Öle sind flüssige und duftende Bestandteile bestimmter Pflanzen.
Sie  befinden sich in Form winziger Öltröpfchen in unterschiedlichen Pflanzengeweben. Die Konzentration in den verschiedenen Pflanzenteilen ist sehr unterschiedlich.
Ihre Eigenschaft ist  flüchtig, sehr flüssig bis zähflüssig und sie hinterlassen keine Fettflecken. Sie werden zwar als Öle eingestuft, jedoch verfügen Sie über eine andere Konsistenz als herkömmliche Öle, wie z.B. Sonnenblumenöl, Olivenöl.

Einige Pflanzen produzieren sogar mehrere Aromen, die getrennt in den verschiedenen Pflanzenteilen konzentriert sind und einzeln gewonnen werden können. So zum Beispiel erhalten wir vom Orangenbaum drei verschiedene ätherische Öle: aus den Orangenschalen das Orangenöl, aus den Blättern und Zweigen das Petigrainöl und aus den Blüten das Neroliöl.    

Weitere Beispiele für unterschiedliche Öle in verschiedenen Pflanzen:

• Blüte: Rose, Jasmin
• Blatt: Geranium, Melisse, Lorbeer
• Frucht: Anis, Kardamon, Koriander, Muskatnuss
• Fruchtschale: Orange, Zitrone, Bergamotte
• Harz, Balsam: Myrrhe, Weihrauch
• Holz: Sandelholz, Zeder, Zypresse
• Nadeln: Fichte, Kiefer, Zypresse
• Rinde: Zimt
• Wurzel: Angelika, Iris, Vetiver

Die intensive Wirkung ätherischer Öle sollte niemals unterschätzt werden.
Es handelt sich hierbei um stark konzentrierte Auszüge aus Pflanzenessenzen. So zum Beispiel benötigt man für 1 kg Melissenöl rund 10 Tonnen und für 1 kg Lavendelöl ca.125 kg Pflanzenmaterial. Für 1 kg Rosenöl braucht man ziemlich genau 4 Tonnen Rosenblütenblätter.